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Einhandflöte

 

Die Einhandflöte von Schloss Lengberg in Osttirol stammt aus der Gewölbezwickelfüllung, der bauhistorisch ins 15. Jh. datiert werden konnte. Im umfangreichen Fundkomplex konnten neben der Flöte noch weitere Musikinstrumententeile (Stege von Zupfinstrumenten, Trommelteile) gefunden werden. Diese Objekte sind die bislang ersten und einzigen archäologisch geborgenen Bodenfunde von Musikinstrumenten aus Holz im  Raum Nord- und Osttirol.

An den interdisziplinären Untersuchungen des Blasinstrumentes im Jahr 2009 beteiligten sich neben dem Institut für Archäologien, Fachbereich Mittelalter- und Neuzeitarchäologie (wissenschaftliche Leitung Harald Stadler) auch das Institut für Gerichtsmedizin (Walter Parson) und das Institut für Mineralogie und Petrographie (Reinhard Kaindl) der Universität Innsbruck sowie das Greifenberger Institut für Musikinstrumentenkunde (Helmut Balk) und Erich Tremmel (Musikarchäologe, Augsburg). Die Holzuntersuchungen wurden von Andreas G. Heiss in Wien durchgeführt.

Die hervorragende Erhaltung des Instruments in den Sedimenten der Gewölbezwickelfüllung machte die Dokumentation zahlreicher gut erhaltener Spuren am Holz der Flöte möglich. 

Dabei kann zwischen Bearbeitungs-, Nutzungs- und Nachnutzungsspuren unterschieden werden.

Bei der Untersuchung der Bearbeitungsspuren konnten zwei sehr unterschiedliche Herstellungsstufen des Instruments ermittelt werden:

  • Der sehr präzise gearbeitete Flötenkopf mit Aufschnitt und Labium weist auf einen erfahrenen Instrumentenhersteller hin. Die Bearbeitungsspuren am Fuß der erhaltenen Flöte zeigen jedoch, dass das Instrument in der ursprünglich geplanten  Rohrlänge nicht fertig gestellt wurde. 

  • Die laienhaft ins Holz eingeschnittenen Grifflöcher weisen auf einen zweiten, späteren Bearbeiter hin, der mit mangelhaftem Werkzeug die unfertige Flöte umbaute und in ihrer kürzeren erhaltenen Form bespielbar machte. 

Basierend auf Dimensionierung und Form sind beide Baustufen des Instruments als Einhandflöten identifizierbar und als solche über Repliken auch spielbar. 

Die aus Ahornholz gebaute Flöte zeigt im Bereich des Schnabels Atemfeuchtespuren, deren Beprobung auf DNA aber keine Aussagen zum Musiker der zweiten Baustufe ermöglichte.

Vielfältige Hinweise zur Lagerung des Instruments vor der Verfüllung in die Gewölbezwickel sind über sekundäre Spuren am Instrument erschließbar (zum Beispiel verkohlte Bereiche am Flötenkopf oder Rückstände unterschiedlicher in flüssiger Form auf den Flötenkörper gekommene Substanzen). 

Die Einhandflöte sowie die anderen geborgenen Teile von Musikinstrumenten bieten somit einen Einblick ins „musikalische Leben“ auf Schloss Lengberg im 15. Jh. 

(Text: Michael Schick)

 

Nähere Informationen zur Einhandflöte und dem dazu erschienen Buch "Die Einhandflöte aus den Gewölbezwickelfüllungen von Schloss Lengberg in Osttirol" erhalten Sie unter folgendem Kontakt:

Universität Innsbruck
Institut für Archäologien, Fachbereich für Ur- und Frühgeschichte sowie Mittelalter- und Neuzeitarchäologie  
Mag. Michael Schick
Te.-Nr.: +43 (0)512-507-37509
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